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Mit Erlangung der Unabhängigkeit rückte die Frage nach der Rolle und der Bedeutung des kulturellen Erbes in den Vordergrund. Die Entwicklung der nationalen Kultur ist ein Schwerpunkt der „Strategie – 2050“.

Die professionelle Kunst Kasachstans in allen ihren Spielarten, Formen und Gattungen entwickelte sich im 20. Jahrhundert. Sie ist ein Produkt von der eurasischen Denkweise unterliegenden Prinzipien, die europäische und kasachische Formen und Themen in sich aufgenommen hat.

Die Kulturpolitik des sowjetischen Kasachstans zielte auf die Ausbildung begabter kasachischer Jugendlicher in den besten sowjetischen Hochschulen. Wichtige Bedeutung hatte, dass viele bekannte Kulturschaffende der UdSSR während des Großen Vaterländischen Krieges nach Kasachstan evakuiert worden waren. So war in den Kriegsjahren fast das ganze Kollektiv von Mosfilm in Alma-Ata tätig. An der erst kurz vor Ausbruch des Krieges gegründeten Gogol-Kunsthochschule in Alma-Ata unterrichteten herausragende sowjetische Professoren. Damals wurde das erste Kinder- und Jugendtheater gegründet – das „Theater des jungen Zuschauers“ unter Leitung von Natalia Zaz.

 

Alle diese Faktoren spielten eine Rolle, so dass Ausbildung wie künstlerische Praxis durch ein hohes Maß an professioneller Kreativität gekennzeichnet waren, für die auch die Gegenwartskunst Kasachstans berühmt ist.

Seit Mitte der 1990-er Jahre ist ein Umbruch in der Kultur Kasachstans spürbar. Die Kulturschaffenden hatten begriffen, dass von ihrer Initiative und ihren Aktivitäten nicht nur die eigenen Leistungen, sondern sämtliche Bedingungen der kulturellen Entwicklung des Landes abhängen. Viele Kunst- und Kulturschaffenden

gründeten Bildungseinrichtungen, zu nennen sind das Musikkolleg der Verdienten Künstlerin der Republik Kasachstan Schanija Aubakirowa, die Kunstschule der Kunstwissenschaftlerin Jewgenija Gutsaljuk, die Schule für Kunsttherapie von Bachyt Talkambajew, die Schule des Modernen Tanzes „Rosowaja Griwa“ („Rosa

Mähne“) unter Leitung von Alla Burenkowa.

Auch mehrere Künstlerverbände entstanden: der Verband der Theaterschaffenden, der Verband der Choreografen und der Verband der Ballettmeister, der Verband der Architekten insgesamt gibt es heute zehn Verbände im Kulturbereich. Herausgegeben wurden neue Literatur- und Kulturzeitschriften, wie etwa „Pyg malion“ oder „Tamyr“, veranstaltet werden zahlreiche Literatur- und Lyrikfestivals.

Die Galerielandschaft wurde vielfältiger. Neben den bereits bekannten Galerien „Tengri-Umai“, „Ular“, „Wojadscher“ und „Retro“ sind heute viele andere vor allem in Almaty und Astana erfolgreich tätig, darunter „Archon“, „ArteastGalerie“, „Art-nawat“, „Oju“ und „Tribuna”. Eröffnet wurde die Galerie für moderne Kunst Kulanschi. Kunst wird im „Haus der Künstler“ und in der Khaz Samat Kunstgalerie gezeigt.

2010 startete das Projekt „Galerie der Labels”. Die Initiatoren waren die Galerien „Ular” und „Oner”. Ziel des Projekts ist, dem einheimischen Publikum die Werke kasachstanischer Künstler systematisch zu präsentieren. In den letzten Jahren sind herausragende Künstler hervorgetreten, die oft aber nur Fachleuten bekannt

sind. Mit dem Projekt werden einheimische Klassik und Moderne an einem Kunstort vorgestellt.

Ebenfalls dem Bekanntmachen moderner Kunst dient das Internationale Straßenfestival der modernen Kunst „ARTBAT Fest“, das 2015 bereits zum 6. Mal in Almaty stattfand. Eröffnet wurde der Palast der Künste „Schabyt“. Fraglos ist es der Entwicklungslogik Kasachstans geschuldet, dass man sich auf der Biennale in Venedig 2017 erstmals mit einem eigenen Pavillon präsentieren will. Bislang war das Land im Rahmen des Zentralasien-Pavillon auf der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Kunstausstellung vertreten. Auf der Biennale 2015 hatten sieben kasachstanische Künstler im Rahmen des Projekts „Protagonisten“ im „Unsichtbaren Pavillon“ die Möglichkeit, in der Form eines Künstlerateliers ihre Ar beit vorzustellen sowie Workshops und Diskussionen anzubieten. Kasachstans Künstler müssen nicht nur individuell bekannt werden, sondern auch das Kunstland Kasachstan als ein nach wie vor relativ unbekanntes Land, das eine eigenständige und zugleich globale Kunst hervorbringt.

Das Gesetz „Über die Kultur” wurde im Jahre 2006 angenommen. Im Jahre 2007 wurden Veränderungen zu Fragen des Schutzes und der Nutzung des historisch-kulturellen Erbes bestätigt und am 7. Oktober 2009 weitere Änderungen angenommen, die auf die Förderung der Filmindustrie, des Bibliothekswesens und der Bewahrung der Kulturwerte zielen. So müssen ab dem Jahr 2012 alle ausländischen Filme, die in Kasachstan gezeigt werden, kasachisch synchronisiert oder untertitelt werden.

Obwohl Kasachstan ein multiethnisches Landist, bleibt das strategische Ziel der Kulturförderung nach wie vor die Herausbildung eines einheitlichen Kultur- und Informationsraumes. Dem dient das staatliche Programm zur Förderung der kasachischen Sprache 2011 bis 2015. Mehr als 200 Text- und Lehrbücher wurden bereits gedruckt, ein 15-bändiges Wörterbuch der kasachischen Sprache und ein lexikographisches Grundlagenwerk wurden herausgegeben. Heute gibt es Sprachzentren für Kasachisch in allen Regionen und werden Wettbewerbe in

der Staatssprache durchgeführt.

Die Frage der Entwicklung der Kultur in ländlichen Gebieten hat einen besonderen Stellenwert. Das Kulturministerium war unmittelbar an der Ausarbeitung des staatlichen Programmes zur Förderung ländlicher Räume in den

Jahren 2004 bis 2010 beteiligt, in dessen Rahmen vielfältige Kultureinrichtungen auf dem Land geschaffen wurden. Das Kulturministerium bemüht sich intensiv

um die Pflege und Förderung der heimischen Kunst und Kultur sowie um den Ausbau der internationalen Kulturbeziehungen. Anliegen ist, das Ansehen der kasachischen Kultur weltweit zu steigern und sie in die modernen Entwicklungstendenzen zu integrieren. Die Veranstaltung unterschiedlicher Festivals und Konzerte ist eine der wirksamsten Formen der Kulturpolitik im In- und Ausland. Sie haben große Bedeutung für die Bevölkerung, dienen dem beruflichen Fortkommen der Künstler, der breiten Informationsstreuung und dem Ausbau kultureller Infrastrukturen. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist auch die kulturelle Bildung. In diesem Bereich arbeiten die Ministerien für Kultur sowie für Bildung und Wissenschaft zusammen.

Im Ausland wird für kasachische Kultur geworben. So ist die Teilnahme an internationalen Wettbewerben und Komponistenprojekten, an Konferenzen und anderen Vorhaben zur Anbahnung eines Dialoges der Kulturen und Generationen fester Bestandteil der Kulturpolitik. Um die kasachische Musikkultur umfassend zu präsentieren, werden CDs eingespielt, wertvolle Musikinstrumente erworben und Fachleute aus dem Ausland eingeladen.

Die Integration der kasachischen Literatur in die Weltliteratur ist von großer Bedeutung für die Entwicklung der Nation, den interkulturellen Dialog und die internationale Wahrnehmung Kasachstans. Nicht von ungefähr wurden mit Unterstützung der diplomatischen Missionen Kasachstans im Ausland zahlreiche literarische Vorhaben umgesetzt. Das Projekt der Botschaft Kasachstans in Deutschland „Kasachische Bibliothek“ in Deutschland ist zu nennen, in deren

Rahmen Werke von Abai, Auesow, Achtanow, Nurpeissow, Keklibajew, Belger, Suleimenow, und Dosschanow erschienen sind. In Polen wurden „Kys Schibek“ und „Koblandybatyr“ sowie kasachische Märchen herausgegeben. Das Buch „Geschichten der Großen Steppe. Anthologie der modernen kasachischen Literatur“, das Prosa von Gabit Musrepow bis Didar Amantai und Dichtung von Olschas Suleimenow bis Schomischbai Sarijew umfasst, wurde in den USA veröffentlicht. Abais Dichtung wurde neu ins Russische, Deutsche, Belarussische und Koreanische übersetzt. Ins Chinesische wurden „Die Worte“ von Abai sowie „Der Weg von Abai“ von Muchtar Auesow übersetzt. Der Schriftsteller Kairat Zakirjanow wurde ins Englische übertragen.

Die Stiftung „Step by Steppe“ erforscht die reiche Literaturtraditionder Kasachen und ganz Zentralasiens. Die Materialien werden ins Englische übertragen. Aigul Tulembajewa wird in China herausgegeben. Das ist nur ein Ausschnitt dessen, wie Kasachstan seine Literatur dem internationalen Lesepublikum bekannt macht.

Das staatliche Programm „Kulturerbe“ das in drei Phasen – 2004 bis 2006, 2007 bis 2009 und 2009 bis 2011 – umgesetzt wurde, war ein strategisches Nationalprojekt und hatte grund legende Bedeutung für die Neuausrichtung im

Kulturbereich. Es wurde in unterschiedlichen Themenfeldern umgesetzt: Reproduktion der Geschichts-, Kultur- und Architekturdenkmäler, die von besonderer Bedeutung für die nationale Kultur sind, archäologische Forschungen,

wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Kulturerbe der Kasachen und Generalisierung der jahrhundertealten Erfahrungen der nationalen Literatur und Herausgabe von Wissenschaftsreihen. Das Programm deckte aber auch die zeitgenössische nationale Kultur, Folklore, Traditionen und Bräuche ab. 51 Denkmäler der Geschichte und Kultur wurden restauriert, 39 Siedlungen und Kurgane (Grabhügel) von Archäologen untersucht. Erstellt wurde die staatliche Liste der Geschichts- und Kulturdenkmäler, die 218 Objekte enthält, vorgelegt wurde eine Liste des nichtmateriellen Kulturerbes, das neben Musik, Liedern und Rezitationen auch zahlreiche Werke kasachischer Autoren ebenso wie Kinderspiele umfasst. 30 wissenschaftliche Studien zu herausragenden Kulturdenkmälern wurden erarbeitet. In China, der Türkei, der Mongolei, Japan, Russland, Usbekistan, Armenien und anderen Ländern wurden mehr als 5 000 Manuskripte und Schriften zu Geschichte, Ethnologie und Kunst des kasachischen Volkes erworben. Allein in China wurden rund 3 500 unerforschte Quellen zu Geschichte und Kultur Kasachstans entdeckt. Insgesamt wurden im Rahmen des Programmes mehr als 350 Bücher herausgegeben, darunter Reihen zu Geschichte, Archäologie und Ethnografie. Neue Enzyklopädien sind erschienen.

Die Reihe „Babalar Sosi” stellt die kasachische Folklore vor. „Die alte Welt des kasachischen Rechts” informiert über die Geschichte der Rechtskultur der Kasachen. Erschienen sind unter anderem eine Geschichte der kasachischen Literatur, die 25-bändige „Akademika Classica“, die Reihe „Das philosophische Erbe des kasachischen Volkes“ und eine 15-bändige Kinderbuchreihe.

Um der Weltgemeinschaft das historische Erbe Kasachstans zur Kenntnis zu bringen wurden Dokumentarfilme gedreht, darunter über die alten Städte Turkestan und Otrar. Ausführliche Informationen über die historischen Denkmäler Kasachstans sind im „Großen Atlas der Geschichte und Kultur Kasachstans” zusammengetragen worden. Dieser 900 Seitendicke und sechs Kilogramm schwere Atlas birgt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Entdeckungen. Aufgenommen wurden mehr als 140 alte Landkarten aus Archiven in Moskau und Sankt-Petersburg. Darunter findet sich eine Karte der Steppe von Ende des 18. und Anfang

des 19. Jahrhunderts, in der die russischen Festungen verzeichnet sind. Von nicht weniger Interesse sind die Fotografien des alten Sygnak.

An diesem Atlas haben über 250 Wissenschaftler mitgearbeitet. Im Rahmen des Programmes wurde die Anthologie der traditionellen kasachischen Musik „Mangilik saryn: kazaktyn 1000 kui, 1000 ani“ („Unsterbliche Melodien: 1000 Musikstücke, 1000 Lieder“) realisiert, ein beispielloses Projekt des Sammelns, der Bearbeitung, der Wiederherstellung und der Digitalisierung der traditionellen Musik in historisch authentischer Darbietung.

In die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO sind das Chodscha-Achmet-Jassawi-Mausoleum und der archäologische Komplex „Tamgaly” sowie die Naturlandschaft „Steppen und Seen Nordkasachstans” aufgenommen worden.

Die Bewahrung und Konservierung des alten Otrar ist ein Projekt der UNESCO. Nach Abschluss der Konservierungsarbeiten soll Otrar zu einem archäologischen Museumsschutzgebiet erklärt werden. In die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes wurde Ende 2014 die „Kasachische traditionelle Kunst der Dombra

Kuj“ aufgenommen.

Das Programm „Kulturelles Erbe“ befasste sich bildet das Wertesystem der Gesellschaft und den kreativen Ursprung der Persönlichkeit heraus. Um die Modernisierung der Kulturpolitik zu realisieren, wurde in der Jahresbotschaft des Präsidenten „Kasachstans bis 2050 zu einem wichtigen Zentrum der Weltkultur zu

werden.

Angesichts der hohen Anforderung an die neue konzeptionelle Vision der Kulturindustrie, wurden zur Ausarbeitung des Konzepts Fachleute der Kultur, Kunstkritiker, Kulturorganisationen und schöpferische Verbände eingeladen. Die Aufgabe war nicht einfach – es ging nicht nur darum eine Vision der Kulturpolitik Kasachstans bis 2050 zu erarbeiten, sondern Impulse für neue Entwicklungen und neue Mechanismen zur Herausbildung der Wettbewerbsfähigkeit der kulturellen

Mentalität zu setzen. Die von Präsident Nasarbajew 2014 vorgestellte Idee der Konsolidierung des multinationalen Staates „Mangilik Yel“ („Unsterbliche Nation“) ist grundlegende Komponente für den Entwurf der Kulturpolitik. Dieser gründet auf folgenden Prinzipien: Priorität des nationalen Kulturerbes, Anerkennung der Kultur als Wachstumsfaktor und wichtige Ressource für die gesellschaftliche Entwicklung, Achtung der kulturellen Vielfalt des Landes, Unterstützung und Entwicklung der Kulturen und Traditionen des multiethnischen Kasachstans, Freiheit der schöpferischen Persönlichkeit und des künstlerischen Ausdrucks, Einheit des kulturellen Umfeldes auf der Basis neuer institutioneller Assoziationen, moderner Kulturcluster und modernster Technologien.

Eine große Rolle wird der Schaffung moderner Kulturcluster oder der sogenannten „schöpferischen Wirtschaft“ zugewiesen, die die Beziehung zwischen Schöpfertum, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft, Geschäftswelt und Innovation herstellen sollen. Heute ist dies ein Weg, um wettbewerbsfähige Vorteile zu erreichen. Geschaffen werden ein Nationaler Rat für Literatur und Kunst beim Präsidenten sowie entsprechende Räte bei den Abteilungen des Ministeriums für Kultur und Sport. Die Räte in den Abteilungen werden Fragen des Repertoires,

der Gastspielreisen, des Personals, der Logistikindustrie und andere behandeln.

In naher Zukunft sollen einige Kunstschulen, Kollegs und Schulen dem Ministerium unterstellt werden. Mit dieser Maßnahme will man die Probleme bei der Vorbereitung des kreativen Personals und dessen beruflicher Orientierung sowie die Umsetzung der dualen Bildung befördern. Die Aufgabe des Ministeriums ist, systemische Unterstützung für Talente zu bieten sowie die Anfangsbedingungen für ihr schöpferisches Wachstum und ein einzigartiges Bildungsmodell der Zukunft zu schaffen.

Kulturprodukte können die Bürger lehren, stolz auf ihr Land zu sein. Kasachstan hat ein reiches historisches und kulturelles Erbe. Hier ist es wichtig, alle Ressourcen zusammenzufassen, um die Bedingungen für ein wettbewerbsfähiges Kulturumfeld zu schaffen. Das neue Konzept der Kulturpolitik sieht insbesondere vor, die Funktionen der Nationalen und Reservatsmuseen auszuweiten. Angestrebt wird eine enge Zusammenarbeit mit den Geschichtswissenschaften, der Archäologie, der Restauration, der Kunst- und ethnographischen Wissenschaften. Die Museen sollen zu unterstützenden Zentren der Forschung, Wissenschaften,

Kulturinformation und schöpferischen Innovationen werden. Dieses neue Format wird auch auf die Bibliotheken übertragen. Sie sind umfassende Informationsressourcen und sollen zu multifunktionalen, Bildungs- und Informationsplattformen für die kulturelle Tätigkeit der Bürger werden. Ein Schwerpunkt der neuen Kulturpolitik ist die Festigung des Status der kasachischen Kultur in der Welt. Hierfür sollen die internationalen Beziehungen ausgebaut werden, darunter über internationale Organisationen wie die UNESCO, TURKSOY und ICOMOS. Astana soll Sitz des Eurasischen Rates für kulturelle Entwicklung der Seidenstraße werden.