Schriftsteller Herold Belger, Kasachstan, erhält Bundesverdienstkreuz
02.03.2010

Der in Kasachstan lebende wolgadeutsche Schriftsteller, Essayist und Übersetzer Herold Belger, 75,  wird am 3. März 2010 in Almaty, Kasachstan, mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Herold Belger war Mitbegründer des kasachischen PEN und Mitglied des Nationalrates für Staatspolitik beim Präsidenten Kasachstans. Für sein literarisches Werk - Belger schreibt in Russisch, Kasachisch und Deutsch - erhielt er höchste Auszeichnungen in seinem Land. Der Verdienstorden der Bundesrepublik ehrt ihn nun auch als Repräsentanten der Russlanddeutschen, als Künder deutscher Kultur in Kasachstan sowie als schöpferischen Mittler zwischen den Kulturen.

Soeben erschien Belgers großer Roman „Das Haus des Heimatlosen“ in der ausgezeichneten deutschen Übersetzung von Kristiane Lichtenfeld im Hans Schiler Verlag. In seinem eindrucksvollen Roman beschreibt Belger auf authentische Weise das Schicksal zweier tragisch entwurzelter wolgadeutscher Familien, ihren Kampf ums Überleben in der geografischen wie kulturellen Fremde sowie die auszehrenden Strapazen der Arbeitslager. Der Roman ist erinnernder Rückblick auf die verlorene Heimat und zeigt anhand der Biografie zweier Hauptfiguren eine trotz aller Widerstände gelungene Integration in die Gesellschaft Kasachstans.

Herold Belgers Roman ist von eigenen Erlebnissen geprägt: Nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die UdSSR im Juni 1941 wurden etwa 350.000 Deutsche in der aufgelösten Wolgarepublik entrechtet und nach Kasachstan, Sibirien und in den Altai deportiert. Belger teilte als Sechsjähriger dieses Schicksal, mit seinem Vater wurde er in einen kasachischen Aul verschlagen. Schul- und Jugendzeit erlebte er unter den von Moskau diktierten anti-deutschen Gesetzen und wurde später zu einem angesehenen Bürger Kasachstans sowie zu einem Repräsentanten für die Versöhnung zwischen den Kulturen.