Bildungswesen und Wissenschaft

Bildung gehört zu den strategischen Entwicklungsaufgaben Kasachstans. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Investitionen in das menschliche Kapital und vor allem in Bildung Gesellschaft und Wirtschaft signifikante Gewinne bringen. Investitionen in Bildung sind vor allem wichtig für die Herausbildung technisch progressiver, produktiver Arbeitskräfte, die die rasanten Veränderungen der Welt adaptieren können. Zugleich führen Bildungsinvestitionen zur Akkumulation von sozialem Kapital und damit zur Herausbildung einer Gesellschaft mit einer aktiven Bürgerschaft, hoher gesellschaftlicher Einheit und Integration. Das Entwicklungstempo in Bildung wie auch in der Wissenschaft bestimmt die Geschwindigkeit der Fortschritte in Wirtschaft, Technologie, Politik, Kultur und Gesellschaft. Der Staat erhöht kontinuierlich die Ausgaben für Bildung. Die Anreize für die Privatwirtschaft, in Bildung, Wissenschaft und Innovation zu investieren, werden weiter ausgebaut.

Die Rechtsbasis des Bildungsprozesses ist das Gesetz „Über die Bildung”, das am 27. Juli 2007 angenommen wurde. Daneben wirken andere Gesetze und Konventionen wie die VN-Konvention „Über die Rechte des Kindes“ und „Über

die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen“ auf den Bildungsprozess ein.

Mit den durchgeführten Bildungsreformen wurden in den 1990-er Jahren wichtige Ziele erreicht. Die Verwaltung des Bildungswesens wurde demokratisiert, die Befugnisse der Bildungseinrichtungen wurden erweitert. Die kostenfreie allgemeine Mittelschul- und die erste Fachschulbildung in den staatlichen Bildungseinrichtungen werden vom Staat garantiert.

Gesetzlich geregelt wurde der nichtstaatliche Sektor des Bildungswesens. Personen kasachischer Nationalität, die Bürger anderer Staaten sind, haben das Recht auf Bildung und Ausbildung in Kasachstan. Geschaffen wurde die gesetzliche Basis für die Einführung eines Systems von Bildungskrediten. Umgesetzt wurde die Umstrukturierung des Netzes von Hochschulen. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts wurden zielgerichtete Bildungsprogramme realisiert. Die Entwicklung Kasachstans richtete sich auf die beschleunigte Annäherung an die 30 am meisten entwickelten Länder der Welt.

Es bedurfte der Herausbildung eines nationalen Bildungsmodells, das optimal den Bedürfnissen des Staates und der Wirtschaft entsprach. Mit den staatlichen Programmen „Entwicklung der Bildung“ 2000 bis 2004 und 2005 bis 2010, „Entwicklung der beruflichen und technischen Bildung“ 2007 bis 2011, „Kinder Kasachstans“ 2007 bis 2011 und dem auf Kinder im Vorschulalter zielenden „Balapan“-Programm 2010 bis 2014 wurden wichtige Bedingungen für die Anpassung der Bildungs- und Hochschullandschaft an die neuen Bedingungen geschaffen. Eingeleitet wurde der Übergang zur zwölfjährigen allgemeinen Schulbildung, aufgebaut wurde ein System der technischen und beruflichen Bildung in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und auf sozialpartnerschaftlicher Basis, geschaffen wurde ein den nationalen und internationalen Standards entsprechendes Bewertungssystem von Bildungsleistung, angepasst wurde das Bildungssystem an die von der UNESCO empfohlenen internationalen Standardklassifizierung. Systematische Maßnahmen wurden ergriffen, um die Qualität der Mittelschulbildung zu erhöhen und die materielle und technische Ausstattung der Schulen zu verbessern. Organisiert werden Schulen mit dreisprachigem Unterricht. Die Einführung des multimedialen Informations- und Bildungssystems in den Lernprozess der Bildungseinrichtungen wird vorbereitet. Vorgesehen ist bis 2020 90 Prozent aller Bildungseinrichtungen in das E-Learning-System eingebunden zu haben.

Ein wichtiger Faktor für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes ist die Internationalisierung der Hochschulen. Internationale Aspekte finden sich in allen Richtungen der Bildung sowohl in der Politik als auch in den Lehranstalten selbst. Wichtige Maßnahmen wurden umgesetzt, darunter die Auflage des Stipendiatenprogrammes „Bolaschak” und die Vorbereitung auf die Annahme der Lissabonner Konvention über die gegenseitige Anerkennung von Hochschuldiplomen und -qualifikationen.

Am 11. März 2010 hat sich Kasachstan dem Bolognaprozess angeschlossen und wird seine Hochschulabschlüsse bis 2020 an diesen Prozess anpassen. In Übereinstimmung mit dem Bolognaprozess ist Kasachstan zum Dreistufenmodell im Hochschulwesen übergegangen. 44 Hochschulen haben die Prüfung des qualitativen Managementsystems durch europäische Agenturen bestanden. Das Verzeichnis der Fachrichtungen für die Ausbildung in den Doktor- und Magisterprogrammen wurde bestimmt. Die Integration in den internationalen Bildungsraum schreitet voran. Doch im Bildungssystem gibt es weiterhin „Baustellen“, auf die reagiert werden muss, um die Wettbewerbsfähigkeit des Bildungssystems zu steigern (Optimierung der Bildungseinrichtungen), das menschliche Kapital zu entwickeln (Modernisierung der Bildungsprozesse) und eine qualitativ gute Bildung für alle zu sichern (Verbesserung der Effizienz und des Zugangs zu Bildungsdienstleistungen). Darauf zielt das Bildungsprogramm 2011 bis 2020, das für die einzelnen Bildungsstufen konkrete Zielvorgaben definiert, dabei sowohl mit Blick auf Verwaltung und Management als auch mit Blick auf die Qualität der Einrichtungen, der Lehrprogramme, der Unterrichts- und Lehrmethoden. Im Weiteren geht es um die Integration in den europäischen Bildungsraum, das lebenslange Lernen, die stärkere Verknüpfung von Bildung, Wissenschaft und Produktion. Ziel ist zudem die Erziehung der Jugend zu Bürgern, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, patriotisch sind und Führungsqualitäten haben.

Am 11. Dezember 2008 hat Kasachstan die VN-Konvention „Über die Rechte von Behinderten“ und das fakultative Protokoll zu dieser Konvention unterzeichnet. Eine der wichtigsten Bestimmungen ist die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen in den allgemeinen Bildungsprozess. Bis Ende 2014 wurde das Konzept der inklusiven Bildung ausgearbeitet. Bis 2020 sollen 70 Prozent der Bildungseinrichtungen auf die Aufnahme von behinderten Kindern vorbereitet sein. An 1 232 Schulen (16,8Prozent) sind die Bedingungen für inklusive Bildung geschaffen, am Unterricht nehmen bereits 20 567 Schüler mit Beeinträchtigungen teil.

 

 

Wissenschaft

 

Kasachstan verfügt über ein leistungsstarkes Potenzial in Wissenschaft und Technik. In der Zeit vor den Reformen wurden wissenschaftliche Schulen auf vielen Wissenschaftsgebieten begründet, darunter in der Buntmetallurgie, der Mathematik, der Physik, der Weltraumforschung, dem Bergbau, der Chemie, der Biologie aktiver

Stoffe und hochmolekularer Verbindungen, der Biochemie und der Physiologie von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie der Geografie und der Botanik. Auch die Geisteswissenschaften entwickelten sich. Anfang der 1990-er Jahre begann eine neue Etappe in der Entwicklung der Wissenschaft.

Denn 1992 wurden das Gesetz „Über die Wissenschaft und die wissenschaftlich-technische Politik“ angenommen und das Ministerium für Wissenschaft und neue Technologien geschaffen. 1992 und 1993 entstanden die Strukturen, die Wissenschaft und Technik bestimmen: darunter für die Standardisierung, für die Prüfung wissenschaftlicher Mitarbeiter, für die staatliche Registrierung wissenschaftlicher Forschungs- sowie von Konstruktions- und Versuchsarbeiten, für die Hinterlegung von Abschlussarbeiten und Dissertationen sowie für das Patentwesen. 1993 wurde das Programm „Entwicklung des staatlichen Systems der wissenschaftlich-technischen Information der Republik Kasachstan“ beschlossen. Im gleichen Jahr entstanden gleich mehrere Wissenschaftszentren, darunter für Radioelektronik und Nachrichtenwesen, für komplexe Mineralstoffverarbeitung und für Biotechnologie, zudem das Nationale Kernforschungszentrum. Veränderungen gab es bei der Finanzierung von wichtigen wissenschaftlichen Forschungen sowie von Versuchs- und Konstruktionsarbeiten.

1996 bis 1999 wurde das Steuerungssystem von Wissenschaft und Technik mehrmals organisatorisch verändert. Die Nationale Akademie der Wissenschaften ist in Almaty ansässig. 2000 wurde die neue Konzeption für die wissenschaftliche und wissenschaftlich-technische Politik ausgearbeitet. Im Jahre 2001 wurde das

Gesetz „Über die Wissenschaft“ angenommen, das die gesellschaftlichen Verhältnisse im Bereich von Wissenschaft und wissenschaftlichtechnischer Tätigkeit regelt sowie Rechte und Pflichten der Akteure des Wissenschaftsbereichs festlegt. Ebenfalls 2001 wurde das Programm für Innovationsentwicklung bis 2015 bestätigt. Im Juli 2002 wurde zudem das Ge-293 schungs-, Bildungs- und wissenschaftliche Produktionskomplexe. Einige wissenschaftliche und Bildungseinrichtungen wurden bereits durch Fusion reorganisiert. Wichtige Wissenschaftsfelder sind die Nanotechnologien und die Erforschung neuer Stoffe, die Biotechnologien, die Technologien für den Kohlenwasserstoffsektor, die Metallurgie und das Hüttenwesen einschließlich der mit diesen verbundenen Dienstleistungsbranchen, die Atomtechnologie und die erneuerbaren Energien sowie die Informations- und Weltraumtechnologien. Die Forschung in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften wurde im Rahmen der „Nationalen Idee als Grundlage der stabilen Entwicklung Kasachstans” vereinigt. Besondere Aufmerksamkeit wird heute der Entwicklung der Geschichtswissenschaft geschenkt. Eingerichtet wurde ein Labor für die Datierung archäologischer Funde, ein anthropologisches Laboratorium, ein Forschungszentrum für das Studium der Weltgeschichte und ein Forschungszentrum für die traditionellen Kulturen der Völker Zentralasiens. Erarbeitet werden neue Lehrbücher und Methodiken des Geschichtsstudiums. Aufgebaut wurde die Internetseite e-history.kz, auf der man sich über vielfältige Fragen und Diskussionen mit Blick auf die nationale Geschichte informieren kann. Geschaffen wurden nationale wissenschaftliche Laboratorien kollektiver Nutzung, ingenieurwissenschaftliche Laboratorien und Innovationszentren. Ein Netz von Projekt- und Konstruktionsbüros, Patentdiensten, wissenschaftlichen Bildungskonsortien und Holdings wurde aufgebaut. Gegründet wird ein Forschungsinstitut für Erdölförderung. Heute besteht das System des Wissenschaftsmanagement aus der Höchsten wissenschaftechnische Begutachtung. Der Staat steigert die Haushaltsausgaben für Wissenschaften, zudem wird darüber diskutiert, dass die Samruk-Kasyna-Stiftung künftig zehn Prozent ihres Nettogewinns in Innovationsprojekte lenken könnte. Auch die Investitionen von Unternehmen in Forschungen zu Innovation und neue Technologien werden befördert. 66,35 Milliarden Tenge inländische Mittel und 7,12 Milliarden Tenge ausländische Mittel flossen 2014 in die Wissenschaften. Es ist vorgesehen, den Wissenschaftshaushalt nach und nach auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben. 2014 flossen mit 26,86 Milliarden Tenge die meisten Mittel in die Ingenieurwissenschaften und Technologien und mit 23,55 Milliarden Tenge die Naturwissenschaften. Es folgen die Agrarwissenschaften (7,33 Milliarden Tenge)

und die Medizinischen Wissenschaften (2,79 Milliarden Tenge). Insgesamt 15,26 Milliarden Tenge flossen in die Grundlagenforschung, 38,39 Milliarden Tenge in die angewandte Forschung und 9,48 Milliarden Tenge in Entwicklungs- und Konstruktions- sowie technische Arbeiten. Die Wissenschaften boten im Jahre 2014 25 793 Arbeitsplätze. 22 799 der Mitarbeiter haben eine wissenschaftliche Ausbildung, davon 11 871 Frauen. Es gab 392 wissenschaftliche Forschungseinrichtungen. Das wissenschaftliche Personal wird insgesamt jünger. Drei Fünftel aller Mitarbeiter sind bis 44 Jahre alt. Die Zahl der Dissertationsräte an den Universitäten steigt. Das Durchschnittsgehalt im Wissenschaftsbereich liegt bei 174 225 Tenge, es ist damit überdurchschnittlich hoch. Von den 392 wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen bestehen über 150 im Wirtschaftsbereich, ein Viertel aim staatlichen Sektor, etwas mehr als ein Viertel im Wissenschafts- und Universitätssektor und knapp 40 Prozent im nichtkommerziellen Sektor. Die Wissenschaften werden zu einer realen Kraft für die Entwicklung des Landes und bringen konkrete Ergebnisse und Gewinn für die Wirtschaft und die Gesellschaft. In den Naturund Ingenieurwissenschaften werden Innovationen und neue Technologien für die Produktion entwickelt, die Sozial- und Geisteswissenschaften bringen Gewinn für Politik und Gesellschaft. Im Rahmen der Strategie „Kasachstan – 2050“ wurden drei strategische Richtungen für die Wissenschaftsentwicklung gesetzt: die Anhebung des Niveaus und des Status von Wissenschaftsassoziationen, die Stärkung der Rolle des universitären Sektors im

Forschungsbereich und die Kommerzialisierung von Forschung und Innovation. Für

2014 und 2015 wurden 75 Millionen Dollar im Rahmen des Stipendienprogramms für die Kommerzialisierung von Technologien bereitgestellt. Hinsichtlich der Stärkung des Forschungsauftrags der Universitäten fühlt man sich auf dem richtigen Weg. Hier ist vornehmlich die Nasarbajew-Universität, das Herz des Innovationsclusters Astana, zu nennen. Ziel ist es, Forschungsuniversitäten aufzubauen. Dabei soll die Forschung an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet sein. Die Expo-2017 unter dem Motto „Energie der Zukunft“ wird den Wissenschaften einen gewaltigen Anschub geben und das Land auf den „grünen Entwicklungsweg“ bringen.